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Weniger Schlaganfallbehandlungen wegen Corona-Angst: Studie mit GKH-Beteiligung

Aus Angst vor Corona haben zu Beginn der Coronapandemie in Deutschland viele Patient*innen den Gang zum Arzt gescheut - aus Angst vor einer Infektion. Das hat fatale Folgen für die Betroffenen. Eine Studie, an auch der Leiter der Stroke Unit am GKH mitgewirkt hat, ist jetzt zu diesem Ergebnis gekommen.

Gemeinsam für eine umfassende Schlaganfallversorgung auf höchstem Niveau: Prof. Dr. Jens Eyding (links) mit seinen Kollegen Dr. Sebastian Schimrigk (rechts), Leitender Neurologe, und PD Dr. Jens-Christian Altenbernd, Leitender Radiologe

HERDECKE. Während der ersten Welle der Corona-Pandemie zwischen März und Mai 2020 ist die Zahl der Schlaganfallbehandlungen in deutschen Kliniken deutlich gesunken. Offenbar aus Angst, sich in der Arztpraxis oder im Krankenhaus mit dem Virus zu infizieren, wurden Betroffene nicht oder zu spät vorstellig, und die Schlaganfallsterblichkeit nahm zu. Die Akuttherapie erfolgte jedoch ohne Abstriche in der Qualität, die Behandlungsraten spezifischer Therapien blieben unverändert hoch. Zu diesen Ergebnissen ist ein Forschendenteam unter Mitwirkung von Prof. Dr. Jens Eyding aus dem Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke gekommen.

"Die gebotene Vorsicht in Zeiten einer Pandemie sollte nicht dazu führen, dass bei akuten Beschwerden keine medizinische Hilfe aufgesucht wird. Wir können nur helfen, wenn Patient*innen mit Schlaganfallsymptomen nicht zögern, sondern umgehend den Notruf 112 wählen", so Eyding. "Ansonsten drohen dauerhafte gesundheitliche Einschränkungen, die möglichweise vermeidbar gewesen wären." Die Studie ist die erste bundesweite Analyse zur Schlaganfallversorgung in Zeiten der Corona-Pandemie. Sie wurde im Dezember 2020 in dem renommierten Fachmagazin Stroke veröffentlicht, der weltweit führenden Fachzeitschrift für die Schlaganfall-Medizin.

Was ist ein Schlaganfall?

Der Schlaganfall ist eine akute, lebensbedrohliche Krankheit, bei deren Behandlung jede Minute zählt. Als Schlaganfall werden sowohl Infarkte (Ischämien) als auch Blutungen des Gehirns bezeichnet. Bei Infarkten gilt, dass die medikamentöse Auflösung eines Gefäßverschlusses ("Thrombolyse") innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn erfolgen sollte, eine mechanische Entfernung eines Gerinnsels durch einen Katheter-Eingriff ("Thrombektomie") ist auch noch später möglich, in der Regel bis 6 Stunden nach Symptombeginn. Ausgewertet wurden die Daten von 1.463 deutschen Kliniken. Die Zahl der behandelten akuten Hirninfarkte sank deutlich um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Behandlung von Hirnblutungen ging um 16 Prozent zurück. Kurze Durchblutungsstörungen (transitorische ischämische Attacke, kurz TIA), bei denen die Betroffenen nur vorübergehende Beschwerden spüren, wurden um 22 Prozent weniger behandelt.

Behandlungsqualität weiterhin auf hohem Niveau

"Beruhigend zu sehen ist jedoch, dass die Patient*innen, die dennoch den Weg ins Krankenhaus gefunden haben, auf gleichbleibend hohem Niveau behandelt wurden wie vor der Corona-Pandemie", führt Prof. Eyding weiter aus. Er ist Leiter der Schlaganfall-Station (Stroke Unit) am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke.

In der Studie wurden von März bis Mai 2020 bundesweit 31.165 Krankenhausbehandlungen aufgrund eines Hirninfarkts erfasst. Im gleichen Zeitraum 2019 waren es 38.247 und in den Monaten vor der ersten Pandemiewelle (Januar bis März 2020) 37.748. "Offensichtlich ist es also so, dass die Menschen zu Beginn der Pandemie bei Schlaganfallsymptomen seltener medizinische Hilfe gesucht haben. Das ist eine fatale Entwicklung, denn bei der Diagnostik und Therapie eines Schlaganfalls ist Schnelligkeit extrem wichtig. Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall - jede Minute zählt, diese Botschaft muss bei allen Menschen ankommen!", betont Dr. Sebastian Schimrigk, Leitender Arzt der Neurologischen Abteilung am Gemeinschaftskrankenhaus.

Die Studie zeigte aber auch, dass die Akutversorgung in Deutschland während der ersten Welle in gleich hoher Qualität stattfand. Die Thrombolyserate betrug 16,4% (so wie im Vorjahr), die Thrombektomierate lag bei 8,1% (7,7% in der Prä-Pandemiephase). Am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke wurden in 2020 etwa 450 Patient*innen mit Schlaganfall behandelt, die Thrombolyserate lag bei ca. 20%, die Thrombektomierate bei ca. 11%.

Originalveröffentlichung: Daniel Richter, Jens Eyding, Ralph Weber, Dirk Bartig, Armin Grau, Werner Hacke, Christos Krogias: Analysis of Nationwide Stroke Patient Care in Times of COVID-19 Pandemic in Germany, in: Stroke, 2020, DOI: 10.1161/STROKEAHA.120.033160

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