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Säureblocker: Welche Risiken birgt die Dauereinnahme?

Wer regelmäßig unter starkem Sodbrennen leidet, wird sie kennen: Säureblocker. Diese Medikamente - Protonenpumpenhemmer genannt - sorgen meist für eine rasche Linderung der Symptome. Doch bei Patient/innen mit gastroösophagealem Reflux kehren diese ebenso rasch zurück, was zu einer Dauereinnahme der Säureblocker führen kann. Für für eine Langzeiteinnahme sind die Medikamente jedoch gar nicht gedacht. Lesen Sie hier, welche Alternative es gibt.

Säureblocker: Beliebte Helfer mit Risiken

Wer regelmäßig über Sodbrennen, also über Schmerzen hinter dem Brustbein oder saures Aufstoßen klagt, bekommt von seiner Hausärztin oder seinem Hausarzt in der Regel Säureblocker verschrieben. Diese so genannten Protonenpumpenhemmer sorgen bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit für eine schnelle Linderung der Beschwerden, aber ihre Wirkung hält nicht lange an. Denn die Ursache für immer wiederkehrendes Sodbrennen - ein Überschuss an Magensäure in Kombination mit einem unzureichenden Verschluss des Mageneingangs - beseitigen Protonenpumpenhemmer nicht.

Für Patient/innen, die unter schwerem Reflux leiden, kommt daher auch eine OP infrage (mehr zum Thema Refluxchirurgie weiter unten).

Protonenpumpenhemmer: Probleme bei Dauertherapie

Hintergrund: Schließt der Magenpförtner, der sogenannte Pylorus, nicht richtig, fließt der Magensaft in die Speisröhre und verätzt sie auf Dauer. Die Säure führt in der Speiseröhre zu manchmal schweren Entzündungen, auf lange Sicht zu Vernarbungen und Verengungen, schlimmstenfalls auch zu bösartigen Veränderungen.

Rund 20 Prozent aller Menschen leiden regelmäßig unter Sodbrennen und greifen daher zu Medikamenten. Entsprechend gehören Säureblocker (z.B. Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol u.a.) zu den meistverkauften Medikamenten weltweit (Umsatz ca. 13 Milliarden US Dollar jährlich, Quelle: Deutsches Ärzteblatt 2016; 113). Wegen ihrer guten Wirksamkeit werden Protonenpumpenhemmer gerne verschrieben und eingenommen. Oft allerdings werden sie ohne klare Indikation bei Oberbauchbeschwerden, in zu hoher Dosierung und vor allem zu lange verschrieben. Die allgemein gute Verträglichkeit und das geschickte Marketing ("Magenschutz") dieser Medikamente haben zu der Situation beigetragen. Immer mehr Patienten erhalten eine Säureblocker-Dauertherapie (Arzneimittelbrief 2008,42).

Lange Zeit galten Protonenpumpenhemmer als relativ harmlos. Doch in letzter Zeit wird zunehmend über erhebliche Nebenwirkungen dieser Medikamente, die zu einem dauerhaft niedrigen Säurewert im Magen führen, berichtet. Beispiele:

  • Der Körper nimmt einige Nährstoffe schlechter auf. Durch Kalziummangel steigt das Risiko Knochenbrüche zu erleiden. Auch ein Mangel an Magnesium und Vitamin B12 kann entstehen. Mögliche Folgen sind Konzentrationsstörungen, Lähmungen und Blutarmut.
  • Werden Bakterien durch die Magensäure nicht abgetötet, können sie sich im Darm ansiedeln und z. T. schweren Durchfall verursachen.
  • Einige Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Säureblocker das Herzinfarktrisiko und die Gefahr für Leber- und Nierenschäden erhöhen.
  • Möglicherweise fördern Säureblocker bei älteren Menschen sogar die Demenz: Im Rahmen einer großen amerikanischen Studie erkrankten Senioren, die über eine längere Zeit Säureblocker einnahmen, mit einer um 44% höheren Wahrscheinlichkeit an Demenz als Patienten in der Kontrollgruppe. (https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Sodbrennen-Saeureblocker-mit-Nebenwirkungen,sodbrennen102.html, http://www.doccheck.com/de/detail/articles/24279-die-toedliche-seite-der-ppis)

Refluxchirurgie - Alternative zu Säureblockern

Die mit einer dauerhaften Einnahme dieser Medikamente verbundenen möglichen Komplikationen sind also ernst zu nehmen. Seit 20 Jahren ist die medikamentöse Therapie mit Säureblockern der Standard in der Therapie des Sodbrennens. Allerdings hat sich gerade in den letzten Jahren gezeigt, dass die langfristige Einnahme und die potenziellen Nebenwirkungen dieser Medikamente, vermehrt Patienten an eine chirurgische Therapie denken lassen.

Das herkömmliche Verfahren ist eine so genannte "Manschettenoperation". Sie wird heute über vier 0,5 - 1 Zentimeter große Schnitte in der Schlüssellochtechnik durchgeführt. Der obere Anteil des Magens wird dabei wie eine Manschette um den unteren Schließmuskel der Speiseröhre gelegt und vernäht. Die Manschette verstärkt den Verschlussmechanismus und verengt den Eingang in den Magen, sodass der Rückfluss von Magensäure verhindert wird. In den Händen eines geübten Chirurgen ist diese Operation in über 90 Prozent erfolgreich in der Verhinderung des Sodbrennens, neueren Studien zu Folge auch besser als die langfristige Einnahme von Säureblockern.

Nach einer solchen Operation, die ca. eine Stunde dauert und einen zwei bis drei Tage dauernden stationären Aufenthalt bedarf, sind nach langsamen Absetzen der Säureblocker diesbezüglich keine weiteren Medikamente zu nehmen.

Von Priv.-Doz. Dr. Florian Glaser, Leitender Arzt der Abteilung für Chirurgie am Gemeinschaftskrankenhaus

 

 

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